Bekenntnisse eines Fuji X-Fotografen – die neue Fuji X-T2 bereits im Einsatz!

Vorgeschichte.

Es ist Mitte Juli 2014 und wir stehen kurz vor unserem Sommerurlaub im Allgäu. Die Hochzeitssaison 2014 läuft auf Hochtouren und ich werde das Gefühl nicht los, dass sich etwas verändern muss. Ständig plagen mich nach langen Hochzeitsreportagen mit meinen beiden Canon EOS 5Ds und deren L-Objektiven Schmerzen in der Schulter und ich bin die ganze Nachbearbeitung der Tausenden Rohdateien (RAWs) insbesondere hinsichtlich der Hauttöne und des allgemeinen Look-and-Feels satt. Draußen ist es mir die Farbtemperatur oft zu trist, drinnen zu warm – irgendwie hab ich mich über die Jahre am Canon Look sattgesehen und jedes (und ich meine jedes) Bild nachbearbeitet. Klar, meine Brautpaare fanden das Endergebnis und insbesondere meine individuelle Bearbeitung immer klasse, aber ich hatte das Gefühl, ich ersticke in der Nachbearbeitung. Jede Hochzeit habe ich mit vollem Einsatz und voller Begeisterung fotografiert, aber zu wissen, dass man das 2.5 bis 3 fache in die Nachbearbeitung stecken muss, damit es „meinen“ Look bekommt, wurde mir einfach zu müßig.

Dann lese ich, eher durch Zufall als bewusst, von einer neuen Fuji X-T1. Okay dachte ich mir, sieht ganz cool aus – Retro, ein bisschen Leica-like und vor allem, massiv gefertigt. Ein bisschen angefixt schaue ich mich auf der Fuji Seite um, lese diverse Testberichte (meist von Landschaftsfotografen, aber eigentlich nie von gleichgesinnten Hochzeitsfotografen) und lade mir zum Spaß alle Fuji X-Magazin Folgen für den Urlaub auf mein iPad. Gesagt, getan. Im Urlaub lese ich die ersten Magazine, werde neugierig und beschäftige mich mehr mit der Objektivauswahl und dem allgemeinen Ruf Fujis. Sind wir ehrlich – Fuji hatte ich das letzte Mal vor vielen Jahren auf der Map, als sie die – für Portraitfotografie – hervorragende Fuji Finepix S5 Pro mit Nikon-Bajonett und Super-CCD auf den Markt brachten. Okay, da wäre noch die Fuji X 100 Serie, aber mit der bin ich bislang noch nie in Kontakt bekommen und genieße gerade auf Hochzeiten auch eher die Flexibilität zweier lichtstarker Zoomobjektive.

Einige Monate gehen ins Land, die Hochzeitssaison 2014 neigt sich dem Ende zu und ich habe wieder den Kopf frei mich um andere Sachen als RAW-Nachbearbeitung zu kümmern. Eines Mittags fahre ich ungeplant bei Calumet in Düsseldorf vorbei und mache einen Zwischenstopp. Der beste Zwischenstopp, auch wenn er mich teuer kommt, den ich machen konnte 😉 Netterweise wird mir eine Fuji X-T1 mit dem besten Kitobjektiv aller Hersteller, dem 18-55er f2.8-f4.0 IS, für die Mittagspause überlassen und ich kaufe anschließend die Speicherkarte, auf der ich einen Haufen Fotos im Garten Edens, ach nein Calumets, geschossen habe 😉

Was war mein erster Eindruck? Massives, wertiges Gehäuse – okay, das kannte ich schon von meinen Canons her. Aber – wo ist das Gewicht geblieben? Ich konnte es im ersten Moment gar nicht glauben, dass die Kamera mitsamt Objektiv so leicht ist. Eine Wohltat für meine geplagte rechte Schulter! Und dann noch alle wichtigen Einstellmöglichkeiten wie ISO, Blende, Belichtungszeit sowie Belichtungskorrektur direkt über Einstellräder bzw. am Objektiv – sehr cool und Leica-like! Dann der erste Blick durch den (OLED-)Sucher. Viel hatte ich über ihn und seine Möglichkeiten gelesen, aber bislang noch nicht selbst hindurch schauen können. Ich gebe zu, die ersten Minuten war ich noch hin- und hergerissen. Auf der einen Seite sieht man direkt das „fertige“ Bild, da Belichtung, Farbe und Stil sofort in Echtzeit ins Bild einfliessen (und dazu noch konfigurierbare Extras wie Histogram, Wasserwaage etc.), auf der anderen Seite störte mich ein wenig die Verzögerung und Dunkelzeit nach dem Auslösen. Aber okay, vielleicht war die Kamera auch nicht vollständig korrekt eingestellt, da sie ja auch durch eine Menge interessierter Hände geht und sich nahezu jeder auch mal gerne in den Menüs verirrt.

Zu Hause war ich natürlich neugierig und habe mich direkt an meinem iMac gesetzt um die Bilder zu sichten.

Tja, was soll ich sagen – ich war begeistert! Im ersten Moment habe ich mich geärgert, denn ich hatte nicht darauf geachtet, dass die Kamera „nur“ auf JPEG und nicht auf JPEG + RAW stand. JPEG?!? — igitt!! 😉 Ein fertiges JPEG aus der Kamera ist für jemanden, der zuvor seit 2003 ausschließlich in RAW fotografiert hat natürlich erst einmal wie aufgewärmtes Fast Food. Achte ich zumindest. Ich wurde allerdings schnell eines besseren belehrt, denn was die Fuji X-T1 bereits in der Kamera aus den Daten herausholt und ins JPEG-Format exportiert, schlägt alles was ich bis dato von fertigen Bildern aus einer Kamera kannte um Längen. Diese Farben, diese Schärfe, dieser filmartige Look – einfach nur wow! Ich war geflashed und fragte mich, was denn das Geheimnis dieser Fuji Magie sei? Ich habe es bis heute nicht herausbekommen, aber eines muss man Fuji lassen – sie haben ihr über 80jähriges Wissen aus der analogen Fotografie vollständig mit eingebracht und das sieht man auch. Während meines Probeshootings hatte ich das Glück, dass der nette Calumet Verkäufer auch 1-2 Minuten als „Modell“ herhielt. So erhielt ich also gleich die ersten Aufnahmen mit Menschen und hier kommt die besondere Stärke von Fuji zum tragen – Hauttöne! Ich liebe die Art und Weise, die Farbtönung, den Look wie Fuji mit Hauttönen umgeht. Genau das, was mich bei Canon immer gestört hat (siehe weiter oben im Text), passt auf einmal nahezu zu 100%.

Also stand mein Entschluss fest – eine Fuji X-T1 muss her! Blieb nur noch die Frage, klein oder direkt richtig einsteigen?

Wer mich kennt weiss, dass ich keine halben Sachen mache, also wurde die Frage am 2. Oktober 2014 gleich mit „richtig einsteigen“ beantwortet und so kaufte ich bei meinem Haus-und-Hof Lieferanten Foto Leistenschneider in Düsseldorf sowohl eine Fuji X-T1 mitsamt Fujifilm 18-55er f2.8 – f4.0 „Kit-„Objektiv als auch mit dem Fujifilm 56 f1.2er (also einer 85mm Portraitbrennweite mit unglaublicher f1.2er Lichtstärke) – eines der besten Portraitobjektive überhaupt über alle Kamerasysteme gesehen.

Zwar war die Hochzeitssaison 2014 Anfang Oktober auch für mich zu Ende, aber es folgte noch das ein oder andere Neugeborenenshooting, bei dem die Kamera mitsamt 56er Objektiv ihre ersten Einsätze hatte sowie einige schöne Wochenendauflüge mit der Familie, wo die X-T1 natürlich auch nicht fehlen durfte.

Nun ja, sie hat mein Herz im Sturm erobert – diese Farben, diese Schärfe, dieser Look! Ja, ich wiederhole mich, aber genau das war es ja, was mich so zu begeistern wusste.

Also bin ich knapp drei Wochen später am 23. Oktober schon wieder auf nach Düsseldorf zu Foto Leistenschneider um ein zweites Mal auf Einkaufstour zu gehen. Dieses Mal stand sowohl ein zweites, extrem lichtstarkes Objektiv – das 23mm f1.4er (also umgerechnet ein 35mm mit knaller f1.4er Lichtstärke) und im Kontrast dazu das Ultraweitwinkel 10-24 f4.0er IS auf dem Programm.

Nun war ich erst einmal für die Zeit ohne Hochzeitssaison komplett und hatte bis zur ersten Hochzeit im März 2015 in Willich Zeit, die Kamera und Objektive ganz in Ruhe kennenzulernen.

Dann stand die erste Hochzeit auf dem Programm. Ein wenig Kribbeln im Bauch hat man immer nach einer mehrmonatigen Pause, aber dieses Mal war es noch etwas anderes. Wie würde eine solch kleine Systemkamera bei einer Hochzeitsgesellschaft ankommen? Würde sie auch im harten und schnellen Reportagealltag standhalten können? Werden die Ergebnisse mich auch bei hohen ISO-Werten jenseits der 3200er Marke und bei Mischlicht überzeugen? Ich bin ehrlich. Ich traute ihr alles zu, aber trotzdem habe ich, auch um die Gewissheit zu haben, immer Herr der Lage zu sein, noch weiterhin meine Canon EOS 5D MK III mit dem 24-70 f2.8er ‚L‘-er um den Hals getragen. Aber ich brauchte sie gar nicht. Weder auf dieser Hochzeit, noch bei den folgenden drei Hochzeiten in Neuss, Wuppertal und Schwalmtal, wo ich die 5D (dann allerdings mit 70-200er f4 L’er) immer noch um den Hals hängen hatte. Sie hatte mein Vertrauen gewonnen, also blieb die 5D für den Rest der Saison zwar immer noch im Kofferraum liegen, meine Erstkamera war aber klar und ohne Frage die Fuji X-T1 geworden.

So kam es dann auch, dass es mich im Mai, also noch relativ früh in der Hochzeitssaison 2015, erneut zu Foto Leistenschneider zog, denn ich bin nun mal jemand, der immer mit zwei Kameras parallel arbeitet – eine mit Weitwinkel und eine mit Teleobjektiv. Denkbar ungünstig war jedoch die Konstellation Fuji vs. Canon. Das Handling beider Kameras, obwohl ich sie jeweils in und auswendig kenne, ist nun mal grundlegend verschieden und gerade für mich als Reportagefotograf zählen Momente. Momente, die ich nicht verpassen möchte, weil man einen Sekundenbruchteil mal wieder nicht aufgepasst hat, dass z.B. der Zoomregler bei Canon und Fuji jeweils genau in die Gegenrichtung führt. Auch in der Nachbearbeitung wurden die Unterschiede in der Farbgebung sofort deutlich und die Aufnahmen beider Kameras passten trotz Farbanpassung der RAW-Dateien einfach nicht richtig zueinander. Ich gehe soweit zu sagen, dass ich eine hundertprozentige Trefferquote bei der Erkennung der jeweiligen Fuji bzw. Canon Bilder hatte, selbst wenn die Brennweite dieselbe war.

Genau in dieser Zeit las ich auch von einer Sonderedition der Fuji X-T1, der Graphite Silver. Eine silberne Kamera? Eher selten und sticht aus der Masse hervor. Meiner erste digitale Spiegelreflex, die Canon EOS 300D, war auch silber, aber eigentlich galt bei mir immer, black is beautiful 😉 Nun ja, im Grunde gab es auch keine Option, professionelle Canon Kameras waren und sind auch heute noch immer schwarz. Als ich die Graphite Silver im Ladenlokal in der Hand hatte, schmeichelte sie. Die Verarbeitungsqualität ist durch eine siebenschichtige Legierung etwas höher und irgendwie wirkt sie in silber noch dezenter. Doch nicht nur das. Fuji hat sie auch zusammen mit dem professionellen „Standardzoom“, Fujifilm 16-55 f2.8er, zu einem Kitpreis verkauft, bei dem man nicht ’nein‘ sagen konnte. Jetzt fehlte nur noch das entsprechende Teleobjektiv und hier bin ich auch gleich fündig geworden, da ich von 24mm bis 215mm eine konstante f2.8er Lichtstärke haben wollte. Die Wahl fiel also auf das Fujifilm 50-140 f2.8er, welche die Nachfolge zum legendären 70-200er von Canon antreten musste. Als ich das Objektiv das erste Mal an der X-T1 hatte, war ich von der Gewichtsverlagerung und dem Handling mäßig begeistert und so bin ich testweise zuerst einmal gut zwei Stunden mit einer X-T1 und dem 50-140er über die Kö, durch den ein oder anderen Park und schließlich wieder zurück zu Foto Leistenschneider gegangen. Die Fotos, die ich in der Zeit geschossen und auf dem Display gesehen habe, zeigten mir jedoch bereits die überragende Schärfe dieses Objektivs und vor allem der fünfstufige Bildstabilisator sorgte locker für Aufnahmen mit 1/60 Belichtungszeit bei vollen 140mm (also umgerechnet knapp 215mm) Brennweite – genau das richtige, wenn Low Light und wenig Bewegung gefragt sind. Also wieder zurück in den Laden und ein wenig über das Handlung gemeckert, da hatte Rosario die passende Idee – den VG-XT1 Akkuhandgriff. Ich muss sagen, dieser ist bei der Verwendung eines Teles an der X-T1 schon ein Muß und obendrein verdoppelt sich auch die Akkulaufzeit und man hat einen zusätzlichen Hochformatauslöser, der gerade bei Portraits ein Segen ist ohne dass man sich die Finger verbiegen muss.

Jetzt fehlte wirklich nur noch eins – ein Aufsteckblitz, wenn er denn mal in Extremsituationen nötig wäre. Hier musste das Fuji Angebot allerdings passen, denn die beiden angebotenen Aufsteckblitze sind nicht mit einem Canon Speedlite 430EX oder gar 580 EX zu vergleichen. Letztendlich ist es ein Nissin i40 geworden – der kleinste Systemblitz mit Leitzahl 40 bei 105mm und es grenzt an ein Wunder, wie in dem Gerät überhaupt Elektronik versteckt sein kann, wenn man einmal das Batteriefach geöffnet hat. Da die Blitzlichtfotografie bei mir eh nur einen minimalen Anteil hat und er sogar in einer Sakkotasche versteckt werden kann, die ideale Lösung.

Nun bin ich also seit Mai 2015 komplett – zwei Kameras mit zwei f2.8er Teleobjektiven als Standardset für Hochzeitsreportagen und zusätzlich noch die beiden extrem lichtstarken Fujifilm 23mm f1.4 (35mm) und 56mm f1.2 (85mm) wenn das Licht knapp wird oder bewusst mit minimaler Schärfentiefe gearbeitet werden soll. Okay, das Fujifilm 10-24mm (15-36mm) ist schon spezieller und nur wenig im Einsatz, aber bei manch großer Gruppenaufnahme oder in entsprechenden Räumen hat es seinen Dienst getan – kein Allrounder, aber ein Spezialist für die Brennweiten, für die es gekauft wurde. Die Schärfe des 10-24mm darf man auch auf keinen Fall mit meinem alten Canon 17-40 L vergleichen. Okay, das 17-40L war nie, weder am Cropfaktor mit der 20/30/40D und erst recht nicht an Vollformat ein Schärfemonster, aber man fragt sich heute zurecht, wie das Objektiv mal EISA Objektiv des Jahres werden konnte. Keine Spur von Schärfeabfall zum Rand hin beim Fuji, absolut Offenblendtauglich und dazu noch mit einem Bildstatibilisator ausgestattet, das ist in der Summe eine ganz andere Liga auch wenn zehn Jahre technischer Fortschritt zwischen beiden Objektiven liegen.

Machen wir eine kleine Zeitreise in die Gegenwart.

Nunmehr habe ich knapp zwei komplette Hochzeitssaisons mit meinen beiden X-T1ern fotografiert und bin immer noch begeistert. Keine Schmerzen mehr in der Schulter, auch 12-14 stündige Ganztagesreportagen sind mit den „Kleinen“ eine wahre Freude, der Look der Bilder und insbesondere die Hauttöne begeistern mich weiterhin und vor allem, die Nachbearbeitungszeit hat sich spürbar reduziert.

Aber ihr kennt das – wo Licht ist, ist auch Schatten. Genau hier hat Fuji mit der neuen X-T2 (und zuvor schon in Ansätzen mit der X-Pro2) angesetzt. Wenn es ein Paar Punkte gab, mit denen man sich zwar arrangieren konnte, die mich aber dennoch hier und da störten, dann waren es die folgenden Kritikpunkte:

  • Akkulaufzeit
  • Fokussiergeschwindigkeit (insbesondere bei LowLight)
  • Dunkelzeit nach dem Auslösen
  • sowie eine gewisse Trägheit beim OLED-Sucher.

Gegen jeden der vier Punkte gab es auch eine passende Lösung. Statt wie früher bei Canon mit 2-3 Ersatzakkus hat man jetzt eben 6-8 Ersatzakkus für eine Ganztagesreportage dabei und der teils langsameren Fokussiergeschwindigkeit und Dunkelzeit nach dem Auslösen konnte man auch recht einfach mit der Serienbildfunktion, wahlweise mit 5 oder 8 Bildern pro Sekunde, entgegenwirken. So muss man zwar im Nachhinein etwas mehr selektieren, aber die Trefferquote war immer noch in einem Rahmen, wo ich mir wenig Gedanken machen musste – eine alte Canon EOS 5D MK II mit neun Kreuzsensoren war auch keinen Deut besser, im Gegenteil.

Was wäre sonst noch nice gewesen? Sicherlich ein Joystick um die Fokuspunkte direkt setzen zu können (das hatte ich mir allerdings auch schon bei der X-T1 mit den vier Tasten des Digipads eingerichtet), noch mehr ISO Leistung jenseits der ISO 6400er Marke und vor allem, ein wenig mehr Geschwindigkeit.

All diese Anforderungen und Wünsche hat Fuji erhört und in die X-T2 einfliessen lassen. Monatelang war die Gerüchteküche voll und ich gebe zu, dass ich täglich FujiRumors gelesen und jede Info aufgesaugt habe. Im Februar hatte ich dann auch schon das Glück, als einer der ersten einen Fuji X-Pro 2 (nicht X-T2) Prototypen mitsamt 100-400er testen zu dürfen und schon hier war der Geschwindigkeitsunterschied im Allgemeinen und insbesondere beim Fokussieren extrem gut bemerkbar. Aber das Gesamtkonzept der X-Pro 2 ist nicht meins und so bestellte ich als einer der ersten die X-T2 bei Foto Leistenschneider vor.

Jetzt drehen wir die Zeit noch ein wenig weiter. Freitag, 9. September 2016 – Erstauslieferungstag der X-T2.

Bilder-Wahn_Unboxing_3

Es ist schon verrückt, wie mich neue Technik immer noch begeistern kann. Einen Tag zuvor lese ich in einer Fuji Gruppe bei Facebook, dass die ersten Kameras in Deutschland bereits ausgeliefert wurden und ich ärgere mich über die Händler, die das Embargo seitens Fuji einfach übergangen haben. Aufgeregt rufe ich meinen Berater bei Foto Leistenschneider an, aber Pustekuchen, es sind noch keine Kameras eingetroffen und wenn wäre ich bei den ersten vier Vorbestellern dabei. Hmm, doch noch einen Tag länger warten…;-( Freitag Mittag rufe ich bei Leistenschneider an, immer noch keine Kameras vorrätig. Andere Händler schrieben längst Mitte September auf ihren Webseiten und ich frage mich, ob ich wirklich zu den ersten zählen werde. Kurz vor 14.00 Uhr dann der Anruf – deine Kamera ist da. Kommst du heute noch vorbei? Hmm, mächtig enger Zeitplan, denn am Abend habe ich schon einen Besprechungstermin für die kommende Hochzeitsmesse im Flachshof im Oktober. Aber egal, irgendwie muss es noch klappen und so eilte ich nach Foto Leistenschneider und da stand sie bereits reserviert für mich – eine Fuji X-T2 😉

Ich bin ehrlich – eigentlich sollte es „nur“ die Fuji X-T2 werden. Den zusätzlichen Akkuhandgriff VPB-XT2 fand ich zwar aufgrund der „Boost“-Funktion (für bis zu 14 Bildern pro Sekunde mit der Energie aus drei Akkus parallel!) sowie der bis zu 30minütigen 4K-Videoaufnahme interessant, aber der angesagte Verkaufspreis von knapp 320,- EUR standen für mich nicht in Relation zum Mehrnutzen. Aber wenn das Angebot stimmt, kann ich schwerlich nein sagen 😉 Und das Angebot stimmte in so weit, als dass ich das Geschäft mit einer X-T2, einem neuen Akkuhandgriff und drei zusätzlichen Original Akkus mit einem breiten Grinsen verlies…

Natürlich musste ich die Kamera noch schnell nach meinem Besprechungstermin auspacken und mit meinen vorgeladenen Akkus füttern. Für mehr als die groben Einstellungen der Optionen hat es nicht mehr gereicht, aber morgen ist ja auch noch ein Tag… Freitag Nachmittag war es dann endlich soweit, dass ich mich ein wenig länger mit ihr beschäftigen konnte und sofort fiehl der allgemeine Geschwindigkeitszuwachs in den Menüs auf. Wo die X-T1 manchmal etwas träge reagiert, fliegt die X-T2 nur so durch die Menüs. Dann der erste richtige Blick durch den OLED-Sucher. Sofort fällt mir das neue Layout bzw. die neue Schriftart auf und vor allem, dass das Bild absolut ruhig ist. Bei der X-T1 „sprang“ das Bild schon mal und hin und wieder, je nach Helligkeit flimmerte es auch schon mal leicht – all das ist bei der X-T2 Vergangenheit. Soweit ich weiss, wurde die Bildwiederholfrequenz auf knapp über 80 Bilder/Sek. erhöht, mehr als die meisten Monitore mit 60 Bildern pro Sekunde bieten.

Und dann war da noch mein rechter Daumen. Der erinnerte sich sofort an die gute, alte Zeit mit den Canons und fand seine Position auf dem neuen Joystick oberhalb des Digipads, welches man nun nach den eigenen Vorliegen konfigurieren kann. Die Wahl der Fokuspunkte geht mit diesem Joystick entschieden flotter zu werke, obwohl die X-T2 ja auch deutlich mehr Fokuspunkte als die X-T1 besitzt. Deutlich flotter ist das richtige Stichwort, denn das ist die X-T2 auch im Fokussieren. Die ersten Tests auf dem Balkon und mit dem Fujifilm 16-55 f2.8er zeigen deutlich, wie schnell und präzise das neue Autofokusmodul zulangt. Kein Vergleich zur X-T1 (obwohl ich mit dieser auch knapp 1 1/2 Jahre gut zurecht kam, man arrangiert sich eben) fliegt der Autofokus von Objekt zu Objekt, ob weit vorne oder am Horizont, ob ein großes Auto oder eine kleine Blüte – auch die Treffgenauigkeit begeistert mich.

Nach einem guten Start war klar, die X-T2 ist bereit für ihren ersten richtigen Einsatz am nächsten Tag – eine fünfstündige Hochzeitsreportage in der traumhaften Kulisse des Schloss Drachenburg in Königswinter.

Wie immer bei weiteren Anreisen über 100km plane ich mindestens 1 1/2 Stunden Puffer ein und netterweise wurden diese nicht durch Stau auf der Autobahn aufgefressen sondern konnten effektiv vor Ort genutzt werden. Da ich Zeit genug hatte, habe ich noch eine Führung durch das Schloss mitgemacht und dabei auch gleich die Fähigkeiten der X-T2 unter Low Light getestet. Vollkommen unbeeindruckt fokussiert sie auch noch bei wenig Licht und dass es wirklich wenig Licht war, sehe ich auch gleich bei der Kontrolle der EXIF-Daten – ISO 12.800 – f4.0 – 1/60 Belichtungszeit. Hut ab, vor allem, als ich das Ergebnis auf dem neuen Kameradisplay begutachte. Viele Vorberichte sprachen schon davon, dass die X-T2 gegenüber der X-T1 in Punkto Dynamik und Rauschverhalten bis zu einer Blende zugelegt hat und das würde ich nach den ersten Bildern auch bestätigen. Nach einer guten Stunde mit Interiour & Detailaufnahmen sind wir beide schon ein Paar geworden – manchmal verirrt sich mein Daumen noch aus der Gewohnheit auf dem Digipad statt auf dem Joystick, aber auch das geht schnell vorüber – der limitierende Faktor war hier ganz klar der Mensch 😉

Dann geht es los. Die Braut steht vor dem Schloss und die ersten Gäste kommen den Hügel hoch. Ihre beiden Kinder laufen auf sie zu – ich stehe irgendwie genau in der Mitte von beiden Seiten. Genau jetzt macht sich die Stärke der X-T2, die Fokussiergeschwindigkeit, aber auch die weitaus verringerte Schwarzzeit nach dem Auslösen, direkt bemerkbar. Die Kamera fokussiert quasi instant, die Trefferquote ist enorm, im Prinzip ohne Ausschuss. Geschafft, erste Hürde spielend genommen. Weiter geht es mit der standesamtlichen Trauung, die naturgemäß eher ohne große Bewegung stattfindet. Der Fokus sitzt, die Kamera(s) glänzen durch vollkommen lautlose Auslösung – ein Segen in engen Standesämtern oder Kirchen, wo man als Fotograf nicht auffallen möchte. Dann kommt wieder ein wenig Aktion – die Gratulation steht an. Hier wurde die X-T2 direkt gefordert, denn Braut und Bräutigam trennten sich voneinander, so dass ich andauernd links und rechts von mir neu fokussieren musste. Eigentlich gibt so etwas die ersten Schweissperlen des Tages, aber ich bleibe locker, denn auch hier sitzt der Fokus unglaublich schnell und präzise. Nach einem kleinen Sektempfang draussen geht es mit dem Sahnestück der Hochzeit, der Paarsession los. Auch hier läuft alles bestens und ich merke beim Wechsel zwischen X-T2 (mit 16-55) und X-T1 (mit 50-140) deutlich die Unterschiede beim OLED-Sucher und bei der Fokussiergeschwindigkeit. Ich weiss nicht, wie ich es besser beschreiben sollte, aber die X-T2 fühlt sich einfach „echt“ an. Das Display ist einfach viel ruhiger im Bildaufbau und zeigt mir noch etwas präziser das fertige Bild, einem der größten Vorteile der spiegellosen Kameras (DSLM) gegenüber den digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR). Nach der Paarsession stehen noch ein Paar Gruppenaufnahmen an bevor ich die Heimreise antrete. Ich bin ehrlich, ich bin ein total neugieriger Mensch. Zu Hause angekommen musste ich also gleich meinen iMac mit 27″ 5K Retina Display anschmeissen und mir ein Paar Bilder der Hochzeit anschauen.

Leute – ich bin fast vom Stuhl gefallen! Dass Fuji schon vor der X-T2 gute Kameras bauen konnte war klar, dass die Fujifilm Objektive erste Sahne sind zeigte bereits der 16 Megapixel Sensor aus der X-T1, aber was der neue X-Trans III mit seinen 24 Megapixel in Kombination mit den Objektiven produziert ist einfach nur eins: WOW! Ich will es gar nicht so spannend machen und lade Euch daher einfach ein Paar Bilder in höchster JPEG-Auflösung direkt aus der Kamera (ja, direkt ohne Nachbearbeitung!) hoch und sage nur – schaut selbst!

Bilder-Wahn_Unboxing_2

Dieser Blogeintrag wird in den nächsten Tagen noch ergänzt und auch das Thema 4K Video werde ich wohl bei der nächsten Hochzeitsreportage am Samstag mal beim Hochzeitstanz bzw. der Party testen, aber bis dahin wünsche ich Euch erst einmal viel Spaß beim Lesen und bin für Fragen, Kritik und Verbesserungsvorschläge gerne per Mail zu erreichen.

Euer André

Update 23.09.2016: Ich habe die gestrige Mittagspause genutzt um ein Paar neutrale Bilder im Düsseldorfer Medienhafen mit der Fuji X-T2 zu schiessen. Damit Ihr Euch selbst ein Bild über die Qualität der Kamera machen könnt, habe ich 15 ausgewählte Bilder, die für mich Schärfe, Dynamikumfang und Farbtreue repräsentieren, sowohl in JPEG (direkt aus der Kamera ohne jegliche Nachbearbeitung!) als auch im Fuji eigenen RAW-Format (RAF) bei meinem Dropbox Account hochgeladen. Als Objektiv war das Fujifilm XF 16-55 f2.8 im Einsatz und die Mittagssonne hat die Herausforderung noch etwas gesteigert.

Weitere Bilder, dann auch endlich aus dem Bereich Hochzeitsreportage folgen Anfang Oktober.

Update 30.09.2016: Nach den 15 Bildern von letzter Woche folgen nun acht kurze Videos (sorry mein Dropbox Account ist jetzt voll) mit 4K-Videomaterial direkt aus der Kamera. Die Videos wurden alle mit der neuen Fuji X-T2 mit Akkuhandgriff und aus der Hand geschossen – also bewusst ohne Stativ. Dabei fiel mir direkt auf, dass man bei der hohen 4K-Auflösung jeden noch so kleinen Wackler sieht, erst recht auf meinem iMac 27″ Retina. Ich empfehle Euch daher dringend, bei freihändigen Aufnahmen auf Objektive mit Bildstabilisator (IS) zurückzugreifen oder direkt mit einem festen Stativ oder Glidecam bzw. Gimbal Schwebestativ zu arbeiten. Aber genug erzählt, schaut einfach selbst auf meinem Dropbox Account vorbei. Bei den Objektiven handelte es sich um das Fujinon 18-55 f2.8-4 IS bein den ersten vier Videos, bei den restlichen vier kam das Fujnon 10-24 f4 IS zum Einsatz.

 

 

Menu